Große Modelleisenbahn

Museum mit großer Modelleisenbahn

Seit gut zwei Jahren besitzt Schramberg ein Auto- und Uhrenmuseum. Gemeinsam mit der Uhrensammlung der Stadt sind die Kleinwagen, Fahrräder, Mopeds und Motorräder aus der Sammlung von Martin Sauter in Räumen der ehemaligen Hamburg-Amerikanischen Uhrenfabrik (HAU) an der Oberndorfer Straße ausgestellt.

Nun kommt eine ungewöhnliche Modelleisenbahnschau dazu: 900 handgefertigte Modelle der Spur 2 werden in Glasvitrinen gezeigt. Besonders spektakulär aber sind zwei riesige Modellbahnanlagen, die die Interessengemeinschaft Spur 2 Regionalgruppe Süd aus dem Raum Balingen aufbaut.

Anfang August hat die Stadt Schramberg mit der Interessengemeinschaft vertraglich alles klar gemacht und nun werkeln die Modellbahner in einer riesigen Fabrikhalle im Bau 22 auf dem HAU-Gelände am Aufbau ihrer Anlagen.

Michael Herberger leitet die Wiederaufbauarbeiten. In Kisten und Kasten liegen die Teile für den Zusammenbau parat. Um die Anlage aus Stuttgart nach Schramberg zu schaffen, hat der Metzgermeister im Ruhestand aus Bisingen im Zollernalbkreis mit seinen Kollegen sie in tausende von Einzelteilen zersägt. Etwa 20 Lastwagenfuhren waren nötig, um die Anlage und alle Teile nach Schramberg zu schaffen.

Die Anlage ist mit der klassischen Modelleisenbahn aus unseren Kindertagen nicht zu vergleichen: „Eine Dampflok ist im Durchschnitt etwa 1,10 Meter lang und wiegt etwa 20 Kilogramm“, erzählt Herberger. Damit die Züge überhaupt um Kurven fahren können, braucht man einen Radius von mindestens drei Metern. Klar, dass eine solche Anlage besser in einer 740-Quadratmeter großen Fabrikhalle als in heimischen Hobbykeller aufgebaut werden kann.

Auch bei den Gebäuden erkennt der Besucher die Liebe zum Detail, so haben die Modellbahner den Bahnhof in Bonndorf im Schwarzwald maßstabgetreu nachgebaut, er ist etwa 2,2 Meter lang und ist mit etwa 8000 einzeln angefertigten Dachziegeln eingedeckt. Das Schöne an ihrer Anlage sei, dass man auch aus einiger Entfernung noch jedes Detail sehr genau erkennen könne, so Herberger. Noch sind die Anlagen erst teilweise wieder aufgebaut und es fahren noch keine Züge, doch wenn alles fertig ist, können die Besucher selbst über Schalter die Züge in Bewegung setzen und anhalten.

Heinz Kenner hat sich auf die riesige Anlage gehockt. Neben sich einen Becher mit Gips. Mit einem Gipsspachtel bearbeitet er den Berg neben einer Tunneleinfahrt. Die große, leer geräumte Fabrikhalle aus dem späten 19. Jahrhundert passt den Modellbauern bestens, findet der ehemalige Mitarbeiter der deutschen Rentenversicherung: „Wir haben Tageslicht links und rechts und wir haben einen guten Boden drin und die Beleuchtung, das brauchen wir alles nicht mehr machen.

Helmut Banholzer, der Vorsitzende des Fördervereins Technikmuseen und CDU-Stadtrat, hat im Gemeinderat für die Modellbahnschau gekämpft. Er ist – trotz manch kritischer Stimmen in der Stadt – überzeugt, „dass das einen zusätzlichen Schub für das bisherige Museum geben wird und es viele Leute geben wird, die sich für die Modelleisenbahnschau interessieren. “ Die Stadt hat mit der Interessengemeinschaft einen Fünf-Jahres-Vertrag ausgehandelt, der die Stadt deutlich günstiger als ursprünglich veranschlagt kommen wird. Bei kalkulierten 15 000 Besuchern im Jahr werde sich „der geschätzte Abmangel der Einrichtung ohne die stadtintern verrechneten Mietkosten auf rund 13 000 Euro pro Jahr verringern“, teilt Ingrid Rebmann von der Stadtverwaltung mit. Dem Vertrag hatte der Gemeinderat Ende Juli dann auch mit großer Mehrheit zugestimmt.

Mit der Kombination des bisherigen Museums mit der Modellbahnsammlung ließen sich mehr Besucher anlocken und so die Kosten für beide Museen senken, ist Banholzer überzeugt. Begeisterte Besucher würden in ihrem Freundeskreis weitererzählen, was man in Schramberg erleben könne. Und: Besucher, die nach Schramberg kommen, kaufen hier auch ein und nutzen die Gastronomiebetriebe, Vorteile die man allerdings nicht in Heller und Pfennig ausdrücken könne.

Am 26. Oktober wird die neue Abteilung im Erfinderzeitenkomplex eingeweiht. Der Eröffnungstermin in der Vorweihnachtszeit sei wichtig, denn das ist die beste Zeit für Modellbahnschauen, so Herberger: „In Stuttgart kamen an Heiligabend immer die Väter mit ihren Söhnen. Da konnte die Mama den Christbaum in aller Ruhe dekorieren.“

Quelle: Südkurier vom 20.08.2012, von Martin Himmelheber
http://www.suedkurier.de/region/schwarzwald-baar-heuberg/schramberg/Museum-mit-grosser-Modelleisenbahn;art416015,5646492