Betriebswerk als zweite Attraktion

Schramberg. 5000 Besucher sind es mittlerweile, die in den wenigen Monaten seit der Eröffnung das "Eisenbahnmuseum Schwarzwald" besucht haben. Derzeit entsteht dort der zweite große Anlagenteil.

Im Gegensatz zu kleineren Spuren wie der 0, der mittlerweile am weitesten verbreiteten Spielzeugeisenbahnweite, ist es bei der "großen" Spur II, die die Wirklichkeit in einem lediglich um das 22,5-fache verkleinerten Maßstab abbildet, gar nicht so einfach, auch auf einer Länge von unter 18 Metern und einer Breite von 7,5 Metern all das so geschickt unterzubringen, was sich Erbauer Michael Herberger so vorstellt.

Denn in dem zweiten Raum des Museums in der H.A.U. soll aus einer früheren Anlage, die immer wieder bei Messen aufgebaut worden war, jetzt eine einheitliche Anlage entstehen. Mit allem was dazugehört. Im Gegensatz zur ersten, bereits bestehenden und in weiten Teilen fertiggestellten Bahn soll der neue Teil sich dem Thema Großstadt widmen. Dazu gehören natürlich neben den bahntechnischen Bauten besonders auch zahlreiche Häuser, die als Reliefbauten alle noch angefertigt werden müssen. Wie lange Herberger und seine Mitarbeiter dazu brauchen, ist noch offen. Bis im Sommer soll auf jeden Fall aber schon einmal ein Gleisoval so weit fertig sein, dass dort dann auch Züge verkehren können. Der restliche Teil wachse dann mit der Zeit, so Herberger. Das könne dann "schon noch einige Jahre dauern, bis alles komplett fertig ist", macht er deutlich. Denn für die große Spur gibt es das, was Herberger benötigt, nicht so einfach zu kaufen. Was nicht bereits von der bestehenden Anlage vorhanden ist, muss zunächst noch meist selbst gefertigt werden. Dabei ist oft "Vitamin B" notwendig – nämlich zu wissen, wer, wo, was machen kann, was es sonst gar nicht gibt. Aber die Freunde der Spur II sind auch gut vernetzt und so findet sich dann meist immer eine Lösung.

Auf drei Gleis- und fünf Gesamtebenen soll sich das Geschehen in der Großstadt abspielen. Dazu gehört ein Bahnbetriebswerk, ein Lokschuppen für Diesel- und ein Ringlokschuppen für Dampflokomotiven. Dazu kommen ein Bahnbetriebswerk, zwei Drehscheiben, ein großer Stadtbahnhof und nicht zuletzt eine Straßenbahn auf Schmalspurgleisen. Und wenn ein solches Fahrzeug einmal in "Reparatur" muss, dann kann dies entweder ein so genanntes Dreischienengleis benutzen oder wird auf ein Normalspurfahrzeug huckepack verladen.

Gut zehn Züge sollen insgesamt automatisch auf der Anlage verkehren, weitere, besonders im Bereich der Drehscheiben sollen manuell zugesteuert werden. Und neben Dampf- und Rangierloks darf auf einer solchen Anlage, die die Zeit rund 50 Jahre zurückdreht, auch die legendäre V200 nicht fehlen: Insgesamt zehn solcher Loks werden im Eisenbahnmuseum Schwarzwald auf Fahrt gehen – vier aus den frühen, vier aus den späten 60er-Jahren sowie zwei im späteren DB-Farbschema ozeanblau-beige.

Durch das neue Eisenbahnmuseum, so freut sich Herberger, hätten auch die "Erfinderzeiten" besuchermäßig profitiert: Gegenüber dem Vorjahr sei dort die Besucherzahl im Winter gestiegen. Für den Sommer, wo doch mehr Autoliebhaber ihre alten Schätze auspacken und das Interesse an Oldtimern größer sei, hofft Herberger auf den umgekehrten Effekt, dass dann von den Besuchern "drüben" auch ein paar zu ihm zur Modelleisenbahn kommen.

Von Stephan Wegner

Quelle: http://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.schramberg-betriebswerk-als-zweite-attraktion.106d380b-cb3b-4b59-a5d6-8d3ce460f78f.html

vom 19.05.2013