Einst Spielzeug von Kaisern und Königen

Schramberg. Mit einer neuen Sonderausstellung wartet Michael Herberger ab dem zweiten Advent im Eisenbahnmuseum Schwarzwald auf: Er zeigt das Spielzeug von Kaisern und Königen, Modelle der Spur III und IV.

 

 Rund 60 besondere Eisenbahnmodelle, – Loks und Wagen –­ hat Herberger dafür zusammengetragen. Erstaunlich: Die Eisenbahnen haben bis zu 50 Kilo Gewicht. Die Züge gehören von der Kategorie her zur Spur III und IV, die Schienen haben somit einen Abstand von 75 beziehungsweise 89 Millimetern. Unter den Exponaten sind Modelle von Carette, Bing oder Schoenner zu entdecken, sowie andere, seltene Einzelstücke.
  
Seit zwei Jahren ist mittlerweile die "Landschaftsanlage" des Museums in Betrieb. Dort verkehrt auf der Talstrecke die legendäre Diesellok V200 in klassischem Rot-Schwarz oder die spätere blau-beige Version. Neu eingesetzt wird auch ein Spur II-ICE, der das bisherige Schmalspurmodell auf der Bergstrecke ersetzt. "Ein solches Fahrzeug muss man wegen des Wiedererkennungseffekts haben", sagt Herberger, jetzt aber eben auch von der Nachbildung her ganz nah am Original. Die Lücke auf der schmalspurigen Bergstrecke schließt dafür ein schneller Schweizer, der dreigliedrige Allegra der Rhätischen Bahn (RhB), die in Graubünden diesen Nahverkehrszug ganz aktuell in immer mehr Bereichen erfolgreich einsetzt. Ergänzt durch ein legendäres Schmalspurkrokodil des RhB-Stammnetzes und einen Nostalgietriebwagen der Bernina-Bahn tummelt sich künftig das im "Gebirge", das auch originär dort hingehört. Und so bietet das Museum eine Symbiose aus Bewegung, Technik und Landschaft. Besucher haben durch Schalter und Knöpfe die Möglichkeit, die Züge und deren Umgebung in Bewegung zu versetzen.

Täglich verändert sich etwas in der Modelleisenbahnausstellung. So ist zum Beispiel geplant, die Stadtanlage, welche seit April diesen Jahres in Bearbeitung ist, bis Ostern 2015 zu vervollständigen. Herberger nennt diese humorvoll "Schramberg 21". Dort werden Eisenbahnen der Deutschen Bahn aus unterschiedlichen Epochen fahren. Die Gleise liegen größtenteils, derzeit geht es darum, die Betriebswerke einzubauen – "es gibt eben täglich etwas zu tun," sagt Herberger. Ergänzt wird das Museum – Enthusiasten sehen dies indes als Höhepunkt sind handgefertigte Eisenbahnen aus Stahl und Messing aus unterschiedlichen Epochen. Dazu gehört das rund einen Meter lange detaillierte Modell der Malletlok der Reihe 53, die im Original als Prototyp entstand, allerdings beim Bombardement der Alliierten auf Berlin im Werk der Firma Borsig zerstört wurde. Dieses Modell besteht aus 7000 Einzelteilen und benötigte rund 4000 Stunden Arbeit.

Zwei Jahre nach Eröffnung des Museums zeigt es sich, dass es Besucher aus der ganzen Welt anlockt. So stehen im Gästebuch Grüße aus Brasilien, Kuba, Belgien, Italien, Frankreich, Amerika, Kanada oder Neuseeland. Und das sind noch lange nicht alle. Sogar chinesische und hebräische Dankadressen sind darin zu finden. Der Kommentar "So was sieht man nicht oft" beschreibt das Museum sehr treffend, freut sich Michael Herberger. Dokumentiert ist auch, dass der Besuch im Museum für die ganze Familie eine schöne Abwechslung sein kann. So findet sich dazu der Eintrag: "Es hat den Kindern sehr gefallen – und den Müttern auch". Dies alles schlägt sich auch positiv in den Besucherzahlen nieder – auch aufgrund des schlechten Wetters gab’s im August sogar einen unerwarteten Rekord.

Quelle: http://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.schramberg-einst-spielzeug-von-kaisern-und-koenigen.5770781a-d484-4e7f-9886-65b101b074fb.html - Schwarzwälder-Bote, 05.12.2014 17:21 Uhr