Echte Raritäten angedampft

Schramberg. Auch Kaiser und Könige mussten sich in Geduld üben, wenn sie mit ihren edlen Spielzeugen, den Echtdampfloks einige Runden auf Schienen drehen wollten

Bei der Eröffnung der Sonderausstellung "Das Spielzeug für Kaiser und Könige" im Eisenbahnmuseum in der H.A.U. 22 in Schramberg bezeichnete Helmut Banholzer die Modelleisenbahn als Weihnachtskrippe für Erwachsene. Unter den 70 Ausstellungsstücken der Spuren 3 und 4 seien "Raritäten, die deutlich mehr als 100 Jahre alt sind". Diese Sammlung von Echtdampfloks und Waggons ist bis 31. Januar 2016 in einer Sonderausstellung im Eisenbahnmuseum zu bewundern und könnte die Anzahl von 12 000 Besuchern im Jahr weiter steigern. Sammler und Restaurator Horst Reichert nannte als sein ältestes Sammelstück "das Fragment einer Lokomotive von 1826". Er stellte eine Echtdampflokomotive von Märklin aus dem Jahr 1904 vor, die damals 200 Goldmark gekostet habe bei einem Monatslohn eines Arbeiters von gerade sieben Goldmark.
 
Etwa 20 Stück existierten von diesem Modell weltweit, eine davon wollte er andampfen. Während die Besucher mit Sekt vorglühten, glühte Heizer Reichert den mit Wasser und etwas Öl gefüllten Kessel der Lok vor. Dann setzte er die Lok auf die Schienen am Boden vor der großen Daueranlage und mit vorsichtigem Anschieben setzte sie sich langsam in Gang. Die von den Zuschauern heiß ersehnte Rauchfahne stieg erst in der zweiten Runde aus dem Schornstein auf bei der Durchfahrt durch den Kgl. PR. Staats-Bahnhof.

Da standen auch Sissis Erben in ihren prachtvollen Roben am Bahnsteig und winkten huldvoll dem Wunderwerk der Technik nach. Auch heutige Bewunderer der rauchenden Dampflokomotiven können an jedem ersten Sonntag im Monat um 11 Uhr zum Andampfen und zur Sonderschau im Eisenbahnmuseum andampfen.

Quelle: Schwarzwälder-Bote, 15.12.2014 17:52 Uhr von Christoph Ziechaus