Skip to main content

EISENBAHNMUSEUM IN SCHRAMBERG UNTER DAMPF

Es faucht und schnauft und pfeift – und einmal im Monat dampft es auch noch gewaltig. Im Eisenbahnmuseum Schwarzwald in Schramberg ist auf 800 Quadratmetern ganz schön was los.

Und am schönsten: Die Besucher starten die Modellbahnen per Knopfdruck selbst. Die legendäre Diesellok V 200 dreht dann in klassischem Rot-Schwarz oder im jüngeren Blau-Beige ihre Runden. Eine Dampflok der Reihe BR 53 sieht so schmuck aus, als wäre sie gerade aus der Fabrik gerollt. Ein ICE und eine echte Zahnradbahn kommen sich ziemlich nahe. Gleich mit drei Fahrezeuggenerationen ist die Rhätische Bahn vertreten: mit einem blauen Schmalspurkrokodil, einem gelben historischen Triebwagen, der heute noch für Museumsfahrten eingesetzt wird, und dem modernen roten Allegra-Gelenktriebwagen.

Sie alle gehören zu den inzwischen rund 1000 funktionstüchtigen Modellen, die in der nach eigenen Angaben größten Spur-2-Sammlung der Welt fahren oder in Glasvitrinen bestaunt werden können. Untergebracht ist das alles in einem denkmalgeschützten Gebäude der ehemaligen H.A.U., der Hamburg-Amerikanischen Uhrenfabrik, dem heutigen Gewerbepark Schrambergs, und in direkter Nachbarschaft zum Auto- und Uhrenmuseum "Erfinderzeiten" und zum "Diesel-Museum".

Auf zwei Anlagen und 64 Millimeter breiten Gleisen rollen die Züge im Maßstab 1 : 22,5; eine dritte ist derzeit im Bau. Die Anlagen wurden von den Mitgliedern der IG Spur 2, Gruppe Süd gebaut. Und nicht nur die Landschaften, sondern auch das Rollmaterial: Denn Modelleisenbahnen dieser Größe gibt es nicht zu kaufen, die werden von den Hobby-Eisenbahnern selbst gebastelt. Bis zu 10 000 Einzelteile aus Metall hat so eine Lok, die schon mal 25 Kilo auf die Waage bringen kann. 3000 Stunden Arbeit sind da schnell vorbei, erzählt Eisenbahn-Fan Michael Herberger nicht ohne Stolz. Auch Schienen und Weichen sind Eigenbau, die 1000 Meter Schienen werden von 10 000 handgemachten Eichenholzschwellen gehalten.

Und noch eine stolze Zahl hat Herberger parat. Das Dach des Bahnhofs Bonndorf, in dessen Eingangstür Konrad Adenauer und Ludwig Erhard stehen, ist mit 8000 einzelnen Ziegeln gedeckt – und die wurden aus den Hölzchen von "Eis am Stil" geschnitten.

Wenn der Besucher auf eine der Tasten gedrückt hat, dann bewegen sich die Züge mehr oder weniger geräuschvoll bis zu drei Minuten durch eine Landschaft und zwischen Gebäuden entlang, deren Detailfreude begeistert. Bis in die Inneneinrichtung sind die Häuser liebevoll ausgestattet, das Bahnbetriebswerk für Dampfloks umfasst Drehscheibe, Wasserkräne, Schlackegrube, Wiegebunker samt Besandungsanlage. Dazwischen gibt es typische Szenen mit Figuren, die geradewegs verkleinert und aus dem richtigen Leben entsprungen scheinen. Einmalig ist und war ein Rollenprüfstand für Dampfloks – als Modell und einst im Betrieb.

Während es auf der Gebirgsanlage überwiegend ländlich zugeht, sollen die neuen Gleise durch eine großstädtisch geprägte Umwelt rollen, samt Straßenbahn. "Unser S 21", meint Herberger lachend; das S steht in dem Fall für Schramberg, soll "oben bleiben" und deutlich früher fertig werden. Auf dieser Anlage steht bereits ein neuer, noch im Bau befindlicher ICE, der den ersten ablösen wird, mit dessen Detailtreue Herberger nicht ganz zufrieden ist.

In einer Sonderschau und in einem eigenen Raum sind rund 70 kostbare historische Dampfeisenbahnen in den Spurgrößen 3 und 4 zu bewundern, die im Durchschnitt 110 Jahre alt sind und nicht selten als Spielzeuge für gekrönte Häupter oder Millionäre dienten. Besonders rar sind die Stücke von Coup Vent oder Bing aus den Jahren 1890 bis 1910, die voll funktionieren. Das wird jeden ersten Sonntag im Monat bewiesen, wenn eine historische Dampflok der Spur 4 angeheizt wird und auf den 75 Millimeter breiten Schienen zur Freude der großen und kleinen Kinder ihre Runden dreht.

Doch es gibt ja nicht nur Eisen- und Modellbahn-Fans: Einen besonderen Leckerbissen für Oldtimerfreunde hat das Auto- und Uhrenmuseum im Gebäude gegenüber bis zum 29. März parat: Eine Sonderausstellung erzählt "Die Maico-Story", die Geschichte jener schwäbischen Auto- und Motorradfabrik, die 1926 mit Fahrrädern begann, mit ihren Autos und Motorrädern untrennbar mit dem Wirtschaftswunder verbunden ist, für erfolgreiche Rennmotorräder stand und nach mehreren Pleiten 1986 endete. Von elf Leihgebern stammen die liebevoll präsentierten Ausstellungsstücke: Autos, Motorroller, Motorräder und ein Fahrrad aus 60 Jahren Firmengeschichte.

Quelle: Badische Zeitung, 27.02.2015